Biodiversitätsinitiative

Die Bodenbiodiversität

Rund zwei Drittel aller weltweit bekannten Arten leben im Boden. Sie sind entscheidend für das Wachstum der Pflanzen und damit für unsere Ernährung. Sie sorgen aber auch für sauberes Trinkwasser und entnehmen der Atmosphäre klimaschädliches CO2.

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Der Boden als Grundlage des Lebens

In einem Kubikzentimeter gesunden Bodens finden sich mehrere Milliarden Lebewesen. Bakterien, Algen, Pilze, Würmer, Springschwänze und Asseln sind darunter. Sie bilden die Grundlage für das Wachstum der Pflanzen, indem sie totes Pflanzenmaterial abbauen und die Nährstoffe darin verfügbar machen. Ohne die Bodenlebewesen würden beispielsweise unsere Wälder in wenigen Jahren im eigenen Laub ersticken und den Bäumen würde die Nahrung fehlen.

Ähnliches gilt für die Landwirtschaftsflächen. Durch das Düngen und Pflügen lassen sich dort die Erträge zwar kurzfristig steigern, doch ohne die aktive Förderung des Bodenlebens verliert der Boden Jahr für Jahr Humus und die Fruchtbarkeit nimmt ab.

Von zentraler Bedeutung für die Böden im Wald, auf Wiesen und auf dem Acker sind die Regenwürmer. Ihre Wurmhäufchen sind wie Dünger für die Pflanzen. Durch ihre Gänge gelangt Luft in den Boden, die wiederum andere Bodenlebewesen mit Sauerstoff versorgt, und bei Regen kann das Wasser durch die Wurmlöcher in den Boden gelangen, statt oberflächlich abzufliessen und dabei die Erde wegzuschwemmen.

Hohe Verluste durch Beton und Asphalt

Die Siedlungsfläche in der Schweiz wächst und unsere Böden verschwinden unter immer mehr Häusern, Strassen, Parkplätzen und Industriebauten. Doch ein mit Asphalt oder Beton zugedeckter Boden verliert seine Funktionen für die Nahrungsmittelproduktion, als Lebensraum, Speicher und Filter. Regenwasser kann nicht mehr versickern und landet stattdessen ungefiltert in der Kanalisation. Bei längeren Hitze- und Trockenperioden fehlt dann dieses Wasser – etwa auch den Bäumen, die für Schatten und ein angenehmes Mikroklima sorgen.

Durch die Drosselung übermässiger Bautätigkeiten lassen sich die Böden schützen und damit auch die Leistungen, die sie uns erbringen.

Ernährungssicherheit dank lebendiger Böden

Rund 36 Prozent des Schweizer Bodens nutzen wir für die Landwirtschaft, ein Viertel davon als Äcker. Fruchtbare Ackerböden im Mittelland bilden die Grundlage für die Produktion unserer pflanzlichen Nahrungsmittel. Umso sorgfältiger müssen wir mit diesem wertvollen Gut umgehen.

Schonend bewirtschaftete Böden sind voller Leben. Sie sind luftig, speichern Wasser und die Bodenlebewesen machen Nährstoffe aus Mist und anderen organischen Düngemitteln für die Pflanzen verfügbar. Auf diese Weise im Kreislauf gehalten, sind die Böden auch für kommende Generationen ein Garant für gesunde Nahrungsmittel. Ganz im Gegensatz zu intensiv bewirtschafteten Böden, die durch Pestizide, Kunstdünger und häufiges Pflügen über die Jahrzehnte auslaugen.

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Der Boden als wichtiger Kohlenstoffspeicher

Rund 80 Prozent des terrestrischen Kohlenstoffs sind in der Schweiz im Boden gespeichert. Dies in Form von Humus, Torf und den Bodenlebewesen selbst. Doch durch Bautätigkeit und intensive Wald- und Landbewirtschaftung entweicht der gespeicherte Kohlenstoff als CO2 und befeuert den Klimawandel.

Umgekehrt können schonend bewirtschaftete oder geschützte Waldgebiete auch wieder CO2 aufnehmen und auch auf Landwirtschaftsflächen ist das Potential des Humusaufbaus und damit der Kohlenstoffspeicherung gross. Erreicht wird das im Einklang mit der Bodenbiodiversität durch Kompostwirtschaft und Mischkulturen, durch Agroforstwirtschaft, welche die Bäume zurück auf die Äcker bringt, und durch eine oberflächliche oder gar keine Bodenbearbeitung. So gehen Klimaschutz und Biodiversitätsschutz in einem.

Das kann fĂĽr den Gartenboden getan werden.

Jede Form von Bewirtschaftung ist ein Eingriff in die Bodenkrume und sollte mit grosser Sorgfalt geschehen. Denn jede noch so kleine Störung durchbricht die Netzwerke für den Nährstofftransport und die Mykorrhiza-Pilzgeflechte. Darum sollte der Boden nur hin und wieder oberflächig mit dem Sauzahn oder Kräuel bewegt werden. Durch das Lockern wird der Boden mit Sauerstoff angereichert und die Bodenfauna aktiviert. Das sorgt für eine gute Bodenkrume, was wiederum eine gute Nährstoffversorgung der Pflanzen mit sich bringt und deren Wachstum fördert. Damit der Boden nicht auslaugt, insbesondere im Gemüsebeet, braucht dieser Nachschub an organischem Material, da sonst der Humusgehalt rasch abnimmt und der Boden seine Fruchtbarkeit einbüsst. Mit Kompost (zirka 2 l pro m2), Mist oder Mulchmaterial können in der Regel die Verluste gedeckt werden.

Der Boden lässt sich ausserdem mit natürlichen Mitteln stärken, was in der Folge die Pflanzen kräftigt.

Tipps fĂĽr den Gartenboden von Bioterra

Links zu weiterfĂĽhrender Literatur

Grundlagen zur Bodenfruchtbarkeit (FibL)

Biodiversität im Boden (SCNAT)

Der Boden (FIBL)

Böden sind Hotspots der Biodiversität (WSL)

Bodenstrategie Schweiz (BAFU)

FĂĽttere den Regenwurm, dann dĂĽngt er deine Pflanzen (SRF)

Earthworms contribute significantly to global food production (nature communications)

Antworten des Bundesrates zu Vorstössen

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